„Spiele die Eröffnung wie ein Buch, das Mittelspiel wie ein Zauberer und das Endspiel wie eine Maschine“ – Diese eigentlich leicht zu merkenden, aber umso schwerer umzusetzenden Worte stammten vom österreichischen Spitzenschachspieler Rudolf Spielmann (1883-1942). Und genau diese drei Elemente sind auch im Laufe einer Schachpartie ausschlaggebend: Auch wenn die Eröffnungstheorie mit unendlich wirkenden Varianten und Nebenvarianten einem Spieler Kopfzerbrechen bereiten kann, ist sie dennoch unverzichtbar. Gerade am Beginn des Spieles ist es enorm wichtig seine Figuren so zu positionieren, dass man beim Übergang zum Mittelspiel eine solide Stellung vorfindet.
In der nächsten Phase gilt es, durch taktische Manöver und ausgeklügelte Kombinationen (unter Umständen so spektakulär, dass man im erweiterten Sinn sogar von „Zauberei“ sprechen kann) einen vielleicht spielentscheidenden Vorteil zu erhalten.
Im letzten Abschnitt der Partie sind neben den Attributen die erfolgreiche Schachspieler generell auszeichnet (Ausdauer, Wille und Geduld) vor allem die erlernten Endspieltaktiken das Entscheidende: Ist mein Läufer jetzt stärker als der Springer? Muss ich Türme tauschen um gewinnen zu können bzw darf ich nicht tauschen? Ist das Bauernendspiel remis? Wie bekomme ich den Freibauern über die Ziellinie? All diese Fragen gehen einem Spieler durch den Kopf. Da es schwierig bis unmöglich ist, sich alle Möglichkeiten durchzurechnen, man denke nur an die zu diesem Zeitpunkt oftmals auftretende Zeitnot, müssen Motive erkannt und entsprechend diesen auch agiert werden. Die ausgeführten Züge laufen hier z.T. wie ein voreingestelltes Programm ab.
Nach dieser doch recht langen Einleitung wollen wir nun in medias res gehen. Am Freitag, 23.1.2026, fand unser erstes Training in diesem noch jungen Jahr statt. Diesmal sorgte wieder FM Marko Rubil für das schachliche Programm. Thema dieses Abends waren die sehr wichtigen Taktikaufgaben, wie diese hier (selbstverständlich muss alles im Kopf gerechnet werden):

In dieser Stellung ist Weiß am Zug und kann mit einer fantastischen Kombination den schwarzen König in wenigen Zügen matt setzen!
Noch eine Kostprobe gefällig? Weiß am Zug gewinnt spektakulär. Diese Aufgabe wurde von den Teilnehmern sehr schnell gelöst, was mich doch zum Staunen brachte.


Eines haben wir noch. Weiß schafft es hier sich nur mit den zwei Leichtfiguren und Bauern gegen die Dame durchzusetzen. Hat wer eine Idee?

Auch Analysen von Partien ehemaliger Weltmeister standen auf dem Programm (Karpov und Fischer).


Endspiele wollen auch geübt sein. Die Frage die sich hier sehr häufig stellt: Ist mein Läufer oder der gegnerische Springer stärker? Nicht leicht zu beantworten. Als allgemeine Regel lässt sich festhalten, dass umso weniger Bauern auf dem Brett (etwa eins bis fünf auf jeder Seite) der Läufer, bei sechs bis acht Bauern auf jeder Seite der Springer die „stärkere“ Figur ist. Danke an Marko für diesen Tipp! Hier ein typisches Beispiel:

Nach zwei intensiven und wirklich anstrengenden Stunden war das Training auch schon wieder vorbei. Danke an Marko für seine Expertise! Wir hoffen weiterhin auf spannende und lehrreiche Einheiten mit euch.
